Alles Wurst?

München, 13. März 2017 – Toll: Verbraucher können heutzutage Spezialitäten aus aller Welt im Supermarkt entdecken. Auch heimische Produkte finden mehr und mehr ihren Platz im Warensortiment. Häufig bieten verschiedene Hersteller jedoch das scheinbar gleiche Produkt. Verbraucher haben dann die Qual der Wahl: Wie erkenne ich eigentlich, ob es sich bei dem Lebensmittel um das Original handelt? Zertifizierungen sind ein wichtiger Qualitätsindikator, doch der Dschungel an Gütesiegeln wird immer unübersichtlicher. Anlässlich des Weltverbrauchertages am 15. März 2017 erklärt das WeltGenussErbe Bayern, was hinter den EU-Herkunftszeichen „geschützte geografische Angabe g.g.A.“ und „geschützte Ursprungsbezeichnung g.U.“ steckt und wie Verbraucher die Original Nürnberger Rostbratwurst vom Imitat unterscheiden können.

Die Nürnberger Rostbratwurst g.g.A.: ein Original, das häufig kopiert wird

Gerade einmal sieben bis neun Zentimeter lang, 25 Gramm leicht, hochwertigste Zutaten und ein unverkennbarer Geschmack – das zeichnet das echte Nürnberger „Wöschdla“ aus. Das Geheimnis der geschmackvollen Fränkin liegt in der Original-Rezeptur, die bis heute eingehalten werden muss: viel hochwertiges, mageres Schweinefleisch, in mittelgrober Körnung gehackt, mit der typischen Majoran-Mischung abgeschmeckt und in schlanke Schafsaitlinge abgefüllt. Die Verwendung von minderwertigem Fleisch oder die Zugabe von Wasser für ein sämigeres Brät sind strengstens untersagt.

Allzu oft wird die echte Nürnberger Rostbratwurst von unterschiedlichsten Herstellern imitiert und im Handel zum Kauf angeboten. Diese Schweinswürste sehen auf den ersten Blick der Echten recht ähnlich. Dabei sind Plagiate, die unter demselben oder ähnlichen Namen, aber an einem anderen Ort, mit veränderter Rezeptur oder Herstellungsart hergestellt werden, verboten und dürfen als solche gar nicht verkauft werden. Häufig umgehen Hersteller solcher Fälschungen dies, indem sie die Form eines Produktes imitieren oder auch die Verpackung optisch an das Original anlehnen. Nur die Echten tragen das EU-Herkunftszeichen „geschützte geografische Angabe“: Wo „Nürnberger Rostbratwurst“ und das gelb-blaue g.g.A.-Zeichen draufstehen, darf lediglich das zertifizierte Original aus Nürnberg drinstecken. Ein weiteres Erkennungsmerkmal: Auf der Verpackung finden Konsumenten immer die charakteristische rot-weiße Stadtsilhouette von Nürnberg!

Garantiert einzigartig: Daran erkennen Verbraucher regionaltypische Spezialitäten

Ob Speck aus Österreich, Champagner aus Frankreich oder Feta aus Griechenland – viele Produkte sind unmittelbar mit einer ganz bestimmten Region, einer Rezepttradition und genau festgelegten Zutaten verknüpft. Ihre Herkunft macht sie weltweit einzigartig. Dass solche regionaltypischen Produkte etwas ganz Besonderes sind, als Originale bewahrt und vor Nachahmung geschützt werden müssen, hat die EU bereits 1992 erkannt und die beiden Herkunftsschutzzeichen g.g.A. und g.U. eingeführt:
Die g.g.A.-Zertifizierung erhalten Produkte, die in einer bestimmten Region und getreu traditioneller Rezepturen und Verfahren hergestellt und verarbeitet werden.
Spezialitäten, die das g.U.-Schutzzeichen tragen, müssen ausnahmslos in einer Region erzeugt, verarbeitet und hergestellt werden. Auch alle Roh- und Inhaltsstoffe müssen aus der genannten Region stammen. Dies ist beispielsweise beim Allgäuer Emmentaler g.U. und  Allgäuer Bergkäse g.U. der Fall.

Der Kauf von Lebensmitteln ist Kopf- und Bauchsache, geleitet vom Wunsch nach Sicherheit – und nach einem ganz bestimmten Lebensgefühl. Für Verbraucher sind die EU-Herkunftszeichen klare Signale: Hier kann unbesorgt zugreifen, wer Genüsse mit Heimat und eindeutiger Herkunft schätzt. Ebenso steht der Spezialitätenschutz für Handwerkskunst und Tradition, für Lebensmittel mit Geschichte, mit unverkennbarem Duft und Geschmack. Dieses unverwechselbare Geschmackserlebnis auf höchstem Qualitätsniveau garantieren strenge Prüfverfahren und regelmäßige Kontrollen. Sobald eine Spezialität g.g.A.- bzw. g.U.-zertifiziert ist, steht sie unter regelmäßiger Beobachtung und Kontrolle, um den hohen Qualitätsansprüchen der Europäischen Union weiterhin gerecht zu werden. In Bayern überwacht eine zugelassene Kontrollstelle im Auftrag der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) direkt bei den Herstellern und Produzenten die genaue Einhaltung der Spezifikationen. Diese Prüfungen finden mindestens einmal im Jahr statt, die Kontrollart ist vergleichbar mit der Öko-Kontrolle.