EU-Herkunftszeichen weisen Verbrauchern Weg zu kulinarischen Spezialitäten

Drei Jahre im Zeichen des „WeltGenussErbe Bayern“: Bayerische Initiative zieht positive Bilanz bei der Aufklärung über herkunftsgeschützte Lebensmittel.

Die europäische Küche ist bekannt für ihre Vielfalt an kulinarischen Spezialitäten. Ob Champagner aus Frankreich, Parmaschinken aus Italien oder Feta aus Griechenland – viele Produkte, darunter nicht wenige aus Deutschland, sind eng mit einer ganz bestimmten Herkunft hinsichtlich Rezepttradition und Zutaten verknüpft und somit weltweit einzigartig. 

Dass regionalspezifische Produkte etwas ganz Besonderes sind, hat die EU schon 1992 erkannt und begonnen, die EU-Herkunftszeichen als Erkennungszeichen für besondere Produkte zu vergeben. Von September 2010 bis August 2013 klärte die Initiative „WeltGenussErbe Bayern“ erfolgreich über EU-Herkunftszeichen am Beispiel von Spezialitäten aus Bayern auf.

Was bedeutet „Herkunft“?

Die EU vergibt nach eingehender Prüfung die „geschützte Ursprungsbezeichnung“ (g. U.) oder die „geschützte geografische Angabe“ (g. g. A.), um Produkte mit Herkunft und Heimat vor Plagiaten zu schützen und den Verbrauchern zu helfen, echte, regionale Spezialitäten im Handel zu erkennen. Deutschland weist derzeit 91 EU-geschützte Produkte auf. Die meisten hiervon stammen aus Bayern, darunter finden sich Schmankerl wie der Allgäuer Bergkäse, Allgäuer Emmentaler, Bayerisches Bier, Nürnberger Rostbratwürste und Bayerischer Meerrettich.
Wer beispielsweise Allgäuer Bergkäse oder Allgäuer Emmentaler mit dem rot-gelben Siegel der „geschützten Ursprungsbezeichnung“ in den Einkaufswagen legt, kann sich sicher sein: Beide Käse sind ausschließlich in der genannten Region mit Zutaten aus der Region erzeugt, verarbeitet und hergestellt worden. Bayerisches Bier, Nürnberger Rostbratwürste und Bayerischer Meerrettich werden getreu einer traditionellen, besonderen Rezeptur und nach einer in der genannten Region verwurzelten Handwerkskunst hergestellt. Deshalb wurden sie mit dem blau-gelben Siegel der „geschützten geografischen Angabe“ ausgezeichnet.

WeltGenussErbe – Originale setzen sich durch

Obwohl die zwei Herkunftszeichen bereits 1992 eingeführt wurden, waren beide bei Verbrauchern und nicht zuletzt bei den Fachmedien lange Zeit relativ unbekannt. Aus diesem Grund haben einige bayerische Schutzverbände für Lebensmittel im Herbst 2010 das „WeltGenussErbe Bayern“ aus der Taufe gehoben. Die Initiative wird von der EU, dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie den beteiligten Verbänden getragen. Erklärtes Ziel: Das Wissen über die EU-Herkunftszeichen zu verbessern und das Bewusstsein für herkunftsgeschützte bayerische Spezialitäten zu schärfen.

Aktuell wartet Bayern mit insgesamt 26 geschützten Spezialitäten auf, 15 weitere stehen im Antragsverfahren. Fünf der bereits geschützten bayerischen Schmankerl vereinen sich unter dem Banner des WeltGenussErbes. „Das Projekt WeltGenussErbe Bayern stellt einen wichtigen Schritt zur weiteren Profilierung Bayerns als Spezialitätenland dar. Die gemeinsame Initiative des Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und der Schutzverbände hat maßgeblich dazu beigetragen, unsere Originale wie den Allgäuer Emmentaler und Allgäuer Bergkäse, Bayerisches Bier, Nürnberger Bratwürste und Bayerischen Meerrettich im nationalen und internationalen Wettbewerb zu stärken“, freut sich Helmut Brunner, Bayerischer Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten über das Engagement.

Verbraucher vertrauen den EU-Herkunftszeichen

Die Kernbotschaft des WeltGenussErbe Bayern animiert Verbraucher, künftig verstärkt auf g. g. A.- und g .U.-Produkte zu achten. Diese Aussage wird von Kennern und Nicht-Kennern der Initiative getroffen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie. Verbraucher vertrauen also dem Nutzen der EU-Herkunftszeichen. Sowohl „g. g. A.“ und „g. U.“ werden als hilfreich eingestuft, ein gutes Wissen über Sicherheit, Qualität und Regionalität der Produkte zu erhalten.

Weiteres positives Ergebnis der Studie: Der in 2013 signifikant gesteigerte Bekanntheitsgrad der EU-Herkunftszeichen korreliert positiv mit der bayerischen Genussinitiative. Das 2010 geschaffene „WeltGenussErbe Bayern“ hat sich seit Start bei 30 % der Befragten in Bayern einen Namen gemacht und wird automatisch mit herkunftsgeschützten Spezialitäten verknüpft. 2010 wurden „g.U.“ und „g.g.A.“ nur von unter 10% der befragten Personen erkannt; Im Frühjahr 2013 konnten bereits 20 % der Befragten die Abkürzung „g. U.“ und 23% „g. g. A.“ korrekt zuordnen. Nach Vorlage des rot-gelben und blau-gelben Zeichens identifizierten sogar 26% erstes und 28% zweites Zeichen als bekannt. (Quelle: facit research, April 2013).

WeltGenussErbe wird Sinnbild für Spezialitäten

Dass sich das Engagement der Schutzverbände für das „WeltGenussErbe Bayern“ nicht nur bei der Profilierung Bayerns als Spezialitätenland, sondern auch langfristig für den Absatz regionaler Schmankerl lohnen wird, davon ist auch Dipl. Ing. Emmerich Heilinger, Geschäftsführer des Milchwirtschaftlichen Verein Allgäu-Schwaben e. V. überzeugt:„Der Verbraucher erfährt an praktischen Beispielen und auf einfache Weise alles Wissenswerte über traditionelle Spezialitäten. Beim Einkauf ist er aufmerksamer und entscheidet sich bewusst für hochwertige Lebensmittel, die dank des EU-Herkunftszeichens regional zuzuordnen sind“.

Bis zum Jahr 2015 ist davon auszugehen, dass es durch die verstärkte Aufklärung der Initiative „WeltGenussErbe Bayern“ in Bayern ca. 40 geschützte Angaben geben wird, die mit ca. 3 Mrd. € auf einen Anteil von rund einem Sechstel des Umsatzes des produzierenden Ernährungsgewerbes kommen. Dies setzt jedoch eine weiterhin positive, dynamische Entwicklung bei der Eintragung bayerischer Qualitätsprodukte voraus. „Die Nutzung des europäischen Schutzsystems kann mittelfristig betrachtet einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung der Wertschöpfungs- und Erlössituation in der bayerischen Agrar- und Ernährungswirtschaft leisten“, bestätigt Dr. Adriano Profeta vom KErn - Kompetenzzentrum für Ernährung in Weihenstephan.

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser

Verbraucher können sich auf die Kontrollen bei EU-ausgezeichneten Lebensmitteln verlassen. Sie finden zusätzlich und unabhängig von der amtlichen Lebensmittelüberwachung statt und werden von zertifizierten Prüfstellen, wie beispielsweise dem LACON Institut, durchgeführt. Die Besonderheiten der ausgezeichneten Spezialitäten werden anhand produktspezifischer Checklisten geprüft.
Die von der Europäischen Union geförderte Initiative WeltGenussErbe Bayern wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, von der Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft, dem Milchwirtschaftlichen Verein Allgäu-Schwaben e.V., dem Bayerischen Brauerbund e.V., dem Schutzverband Nürnberger Rostbratwürste e.V. und der Schutzgemeinschaft Bayerischer Meerrettich getragen.