Neun Zentimeter, die Kulturgeschichte erzählen: die 700-jährige Tradition der Nürnberger Rostbratwurst (g.g.A.)

MÜNCHEN, Oktober 2014. Sie ist die wohl kleinste Bratwurst der Welt, aber in puncto Geschichte und Tradition ist sie ganz groß: die Nürnberger Rostbratwurst. Seit 1313 wird sie in Nürnberg in traditionellen Verfahren und nach strengen Regeln hergestellt. Ihr fein-würziger Geschmack, die charakteristische (kleine) Größe und die traditionellen Verzehrarten haben sie über die Landesgrenzen hinaus berühmt und beliebt gemacht.

Über 700 Jahre Bratwurst-Tradition haben auch die Geschichte der Stadt Nürnberg entscheidend geprägt. Bis heute wird die Original Nürnberger Rostbratwurst ausschließlich in Nürnberg und nach den alten Rezepten hergestellt und nur so erhält sie ihren unvergleichlich würzigen Geschmack. Damit das auch in Zukunft so bleibt, hat die EU die kleine Wurst – als erste Bratwurst der Welt! – mit dem Herkunftszeichen der „geschützten geografischen Angabe“ (g.g.A.) geehrt: Das blau-gelbe EU-Herkunftszeichen auf der Verpackung garantiert Verbrauchern auch außerhalb der Nürnberger Stadtgrenzen den echten Genuss einer Original Nürnberger Rostbratwurst – getreu dem Motto „weil’s echt am besten schmeckt.“ Wie genau dieses EU-Herkunftszeichen Hersteller schützt, warum es Verbrauchern nützt und welche  herkunftsgeschützte bayerische Schmankerl es noch gibt, darüber informiert zum Beispiel das WeltGenussErbe Bayern.

Die Nürnberger sind stolz auf ihr kleines „Wöschdla“. Diesen Herbst widmen sie ihrer Rostbratwurst nun sogar eine eigene Ausstellung: Das Stadtmuseum Fembohaus in Nürnberg eröffnete im September feierlich die Sonderausstellung „9 cm Nürnberg. Eine Kulturgeschichte der Nürnberger Bratwurst“. Bis einschließlich 29. März 2015 kann man hier die rund 700-jährige Tradition der Nürnberger Rostbratwurst anhand von Objekten, Bildern und Dokumenten erleben – von der frühen handwerklichen Produktion zu Beginn des 13. Jahrhunderts über die schnell wachsende Gastronomie in der Stadt bis zu den modernen Herstellungsverfahren von heute. Die Ausstellung wird unterstützt durch den Schutzverband Nürnberger Rostbratwürste e.V.; Informationen rund um die Ausstellung unter www.museen.nuernberg.de.

Die Nürnberger Rostbratwurst – was sie so besonders macht

Mitte des vergangenen Jahrtausends war Nürnberg das fränkische Zentrum des Fernhandels: Aromatische Kräuter, exotische Gewürze und lukullische Schätze aus Übersee inspirierten die heimischen Bäcker, Lebzelter und auch die Metzger. Diese schufen das Rezept für eine Wurstspezialität, die im Laufe der Jahrhunderte immer kleiner und feiner wurde, immer knuspriger und raffinierter gewürzt: die Nürnberger Rostbratwurst. Gerade mal sieben bis neun Zentimeter misst das „Wöschdla“ und ist 20 bis 25 Gramm leicht. Warum sie so klein ist, ist quellenmäßig nicht eindeutig belegbar. Ihr Erfolg beruht auf dem einzigartigen Geschmack: viel hochwertiges, mageres Schweinefleisch, mittelgrob gehackt oder gewolft, mit der typischen Majoran-Mischung gewürzt und in Schafsaitlinge gefüllt.

Dank ihres einzigartigen Charakters, ihrer hohen Qualität und ihrer langen, untrennbar mit ihrer Heimatstadt verbundenen Genusstradition qualifizierte sich die Nürnberger Rostbratwurst für das Weltgenusserbe. Nur die Bratwürste, die nach den genauen Regeln und in Nürnberg hergestellt werden, dürfen als „Nürnberger Rostbratwürste“ und mit dem blau-gelben EU-Herkunftszeichen der „geschützten geografischen Angabe“ in den Handel gebracht werden.

Wie man in Nürnberg die Bratwurst ver(z)ehrt

Stilecht werden in Nürnberg Rostbratwürste auf einem Zinnteller oder -herz serviert, in einer Stückzahl von sechs, acht, zehn oder zwölf Würsten. Vom Grill schmecken sie klassisch mit Sauerkraut und Brot oder Kartoffelsalat, dazu passt Bayerischer Meerrettich und Senf. Mit Zwiebeln, Wacholderbeeren und Lorbeerblättern in einem Essig-Sud gekocht, werden die Würste zu „Sauren Zipfeln“. Unterwegs schmecken „Drei im Weckla“ (Brötchen), frisch gegrillt in den traditionsreichen Bratwursthütten direkt auf die Hand. Die Nürnberger lieben sie aber auch roh: Das Brät von zwei rohen Rostbratwürsten wird pikant mit gehackten Zwiebeln vermischt und auf ein Brötchen oder Brot gestrichen – fertig ist G´häck-Weckla bzw. G'häck-Brot.

Original-Genuss auch zu Hause

Heute können Bratwurstfreunde weltweit echte Nürnberger Rostbratwürste genießen: In der praktischen Vakuumpackung kommen sie in bester Qualität in den Handel und gelingen in der Pfanne ebenso knusprig wie auf dem Grill. Auch die aromatischen „Sauren Zipfel“ gelingen schnell und einfach zu Hause: Einen halben Liter Wasser mit je zwei Esslöffeln Essig und Zucker, einem Teelöffel Salz, drei Zwiebeln (in Ringe geschnitten) sowie Wacholderbeeren und Lorbeerblättern zum Kochen bringen, die Würste darin zehn Minuten ziehen lassen – fertig. Gegrillt oder gebraten schmecken Nürnberger Rostbratwürste mit Saisongemüse wie weißem und grünem Spargel oder mit Rahmwirsing und Kartoffelbrei. Besonders frisch und knackig: Nürnberger Rostbratwürste mit Rohkost und Salaten, z.B. mit Rauke und Rettich. Auch in der schnellen Küche sind die Kleinen ganz groß. Gebraten und in Scheiben geschnitten krönen sie den deftigen Nudelsalat, die herzhafte Kartoffelsuppe oder den Auflauf mit raffinierter Nürnberger Würze.

WeltGenussErbe Bayern – weil’s echt am besten schmeckt.
Die von der Europäischen Union geförderte Informationskampagne WeltGenussErbe Bayern veranschaulicht, wofür die EU-Herkunftszeichen „g.g.A.“ und „g.U.“ genau stehen, wie sie Erzeuger und Hersteller schützen und warum sie Verbrauchern nützen.
Die Info-Offensive läuft bis 2017. Getragen wird sie vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, von der Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft, dem Milchwirtschaftlichen Verein Allgäu-Schwaben e.V., dem Bayerischen Brauerbund e.V., dem Schutzverband Nürnberger Rostbratwürste e.V., der Erzeugergemeinschaft Abensberger Qualitätsspargel e.V., dem Spargelverband Südbayern e.V. und der Landwirtschaftlichen Qualitätssicherung Bayern GmbH.

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