Reine Biersache

Bayerisches Bier ist gelebte Tradition - Seit 500 Jahren

Bayerisches Bier – etwas Besonderes seit einem halben Jahrtausend. Denn: Das Reinheitsgebot feierte 2016 seinen 500. Geburtstag. Das Jubiläumsjahr zeigte: Bei der Bevölkerung war das Interesse an diesem Thema riesig, es gab zahlreiche Veranstaltungen. So waren z. B. die Landesausstellung „Bier in Bayern“ in Aldersbach im Passauer Land und die Fotoausstellung „Wächter des Reinheitsgebots“, die durch Bayern tourte, ein voller Erfolg.

Doch was genau verbirgt sich hinter diesem „Gesetz“? Und was bedeutet es für Bierliebhaber? Entstanden in Ingolstadt, spielt das Bayerische Reinheitsgebot bis heute eine große Rolle. Es besagt, dass Bier nur aus vier Zutaten bestehen darf: Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Wer denkt, dies sei eine Einschränkung, der irrt. Denn hier beginnt die „BrauKUNST“, durch die Auswahl verschiedener Hopfensorten, Malze oder Hefestämme eine abwechslungsreiche Vielfalt köstlicher Biere zu schaffen. Schauen wir uns ein paar Fakten an:

Deutschlandweit gibt es …

  • 100 verschiedene Hopfensorten                             
  • über 1.300 Braustätten
  • 5.500 Biermarken

Und bei uns daheim?

In Bayern gibt es …

  • 626 Brauereien
  • über 40 verschiedene Biersorten
  • ca. 4.000 Biermarken (70 Prozent aller deutschen Biermarken!)

Ursprung mit Zukunft

Immer mehr Menschen ernähren sich bewusst und möchten die Herkunft von Gemüse, Obst oder Fleisch kennen. Das Gleiche gilt für Bier. Wo kommt es her, was ist drin? Die vier Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe sichern seine Reinheit. Und Bayerisches Bier hat noch mehr zu bieten: Es steht unter dem besonderen Schutz der Europäischen Union. Das Zeichen geschützte geografische Angabe (g.g.A.) dient dabei als Herkunftsnachweis. Es bedeutet: Biere, die dieses Zeichen tragen, sind, natürlich getreu dem Reinheitsgebot, in der genannten Region nach traditionellen Verfahren und überwiegend aus heimischen Zutaten hergestellt und verarbeitet worden. Bayerisches Bier ist also, ebenso wie z. B. Nürnberger Rostbratwürste und Bayerisches Rindfleisch, vor Nachahmung und Verfälschung geschützt.

Flaschenfüllung bei Müllerbräu in Pfaffenhofen an der Ilm. (Quelle: Müllerbräu)

Aus Hopfen und Malz gewonnen

Wie entsteht denn nun aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe das allseits so beliebte Bier? Blicken wir zurück: Lange vor unserer Zeitrechnung wurde meist an einem Tag der Woche Brot gebacken und einer der nicht ganz fertig gebackenen Laibe als Startkultur für das Bierbrauen eingesetzt. Mit Wasser vermengt, begann der Gärprozess – durch Spontangärung der in der Raumluft befindlichen Hefen und Mikroorganismen.

Im Mittelalter praktizierten die Mönche in den Klöstern dann eine aus heutiger Sicht schon sehr professionelle Braukunst. Sie beobachteten die Abläufe, hinterfragten einzelne Prozessschritte und verbesserten diese nach und nach.

Heute setzen Brauer auf moderne Brauanlagen und können so eine gleichbleibend hohe Qualität garantieren. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Weitergabe des Wissens: An bekannten Universitäten wie z. B. der TU München mit dem Wissenschaftszentrum Weihenstephan wird kontinuierlich geforscht und der Brauprozess stetig verbessert.

Wie unser Bier entsteht

Eine kleine Gläserkunde

Sechs klassische Typen verschiedener Biergläser. Mit einem Klick vergrößern Sie das Bild.

Weinkenner wissen: Auf das richtige Glas kommt es an. Gleiches gilt beim Bier. Denn die Glasform beeinflusst die Fließgeschwindigkeit des Bieres in den Mund und bestimmt, an welchem Punkt das Bier auf die Zunge trifft. Damit wirkt sich die Wahl des Glases auch auf Aroma und Geschmack aus. Und was wäre das Bier ohne seine Krone? Wie der Schaum sich ausbildet – auch das hat mit dem entsprechenden Trinkgefäß zu tun. Das Verhältnis zwischen Schaum und Flüssigkeit prägt ebenfalls den Geschmack. Aus welchem Glas schmeckt nun welches Bier am besten? Lernen Sie die verschiedenen Glastypen kennen...

 

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Prost und Mahlzeit

Wildschweinkeule in bayerischem Dunkelbier
Bockbier-Tiramisu mit Sommer- oder Winterfrüchten
  • Dunkelbiersauce verfeinert nicht nur den traditionellen Schweinebraten. Sie passt auch hervorragend zu Wild – servieren Sie Ihren Gästen mit der Wildschweinkeule in bayerischem Dunkelbier eine besondere und festliche Mahlzeit.
  • Unser Tipp: Aus Weißbier lassen sich z. B. helle Saucen zaubern, die wunderbar zu Fisch- oder Gemüsegerichten schmecken. Und so geht’s: Klein gehackte Zwiebeln mit etwas Öl in der Pfanne glasig anschwitzen, mit Weißbier ablöschen und mit Gemüsebrühe und Sahne verfeinern.
  • Auch andere Klassiker wie Backfisch im Bierteig lassen sich kreativ abwandeln: Probieren Sie doch mal Garnelen, Schweinemedaillons oder auch einen würzigen Käse in dieser knusprigen Hülle!
  • Außerdem empfehlenswert: Bier zum Dessert. Klingt ungewöhnlich? Außergewöhnlich trifft es wohl eher. Denn der malzig-karamellige Geschmack verleiht z. B. diesem Bockbier-Tiramisu eine ganz besondere Note. Servieren Sie es Ihren Gästen mit Sommer- oder Winterfrüchten.
Dr. Lothar Ebbertz (Fotoquelle: Bayerischer Brauerbund)

Kurz nachgefragt bei
Dr. Lothar Ebbertz

500 Jahre Reinheitsgebot, 15 Jahre EU-Schutz fürs Bayerische Bier: höchste Zeit für ein Gespräch mit Dr. Lothar Ebbertz, dem Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds, über tiefe Wurzeln und jüngste Trends.

Herr Dr. Ebbertz, welche Bedeutung hat das Bayerische Reinheitsgebot heute noch?

Der Trend heißt „Back to the roots“, zurück zu den Wurzeln. Die Verbraucher suchen Nahrungsmittel ohne Zusätze. Sie wollen Natürlichkeit, Ursprünglichkeit, Milch vom Bergbauern genauso wie reines, unverfälschtes Bier. Das Reinheitsgebot garantiert diese Natürlichkeit und sichert ein Höchstmaß an Transparenz. Die Brauer wiederum sind stolz auf 500 Jahre Reinheitsgebot – und loten heute mehr denn je aus, wie viel Genussvielfalt es hervorbringen kann.

Biere, die das g.g.A.-Zeichen tragen, müssen strenge Kriterien erfüllen. Wie passt das g.g.A.-Regelwerk zum Craft-Trend, der mit manchen Traditionen bricht?

Das g.g.A.-Zeichen steht genauso wie das Etikett „Craft“ für handwerkliche Tradition, für besondere Rohstoffe und den herausragenden Charakter eines Bieres. Doch ein Weißbier mit g.g.A.-Zeichen soll die typische Frucht- oder Bananennote, ein Bayerisches Pils g.g.A.  eine bestimmte Bittere aufweisen. Außerdem muss ein Produkt seit mindestens 25 Jahren auf dem Markt sein, damit es überhaupt den EU-Herkunftsschutz beantragen kann. Viele Craft-Biere entsprechen den g.g.A.-Kriterien. Aber man muss nicht jedes Trendbier in g.g.A. pressen!

Craft-Trend? Craft-Tradition!

Craft-Biere nennt man handwerklich gebraute Biere, denen man das Können und die Kreativität des Brauers genauso wie die sorgsam ausgewählten Zutaten anschmeckt. Sie stammen meist aus kleinen oder mittelständischen Brauereien. Das kommt Ihnen bekannt vor? Logisch, findet Dr. Lothar Ebbertz vom Bayerischen Brauerbund:
„Bayern ist schon seit 500 Jahren Craft!“

 

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